Made in Italy

Kinoplakat Made in Italy

Bella Italia ist für viele Deutsche das Synonym von wunderschönen Landschaften und einer entspannten Lebensweise. Etwa so, wie es Diane Lane in "Unter der Sonne der Toskana" erlebt. Für Jack ist Italien jedoch nicht nur mit schönen Erinnerungen verbunden.

Der Sohn einer italienischen Mutter und eines britischen Vaters hat das Land als Kind verlassen. Jetzt mit Mitte zwanzig kehrt er in die Toskana zurück, um das Haus seiner Eltern zu verkaufen, das ihm zur Hälfte gehört. Sein Vater Robert, der gebrochene Künstler, ist damit einverstanden. Jack möchte mit dem Geld eine Galerie kaufen, die den Eltern seiner Ehefrau gehört. Er steckt mitten in der Scheidung und seine Frau Ruth genießt es, ihm unter die Nase zu reiben, dass er die Galerie bald verlieren wird. Dementsprechend treibt Jack seinen ziellosen Vater an.
Aber das Haus, das wirklich idyllisch liegt, ist in den Jahren verfallen. Und ehe es verkauft werden kann, muss es von Grund auf renoviert werden. Im nahegelegenen Dorf lernt Jack die bezaubernde Natalia kennen, die das örtliche Ristorante betreibt. Auch Natalia steckt mitten in einer Scheidung. Und wo zwei einsame Herzen aufeinandertreffen, da holt Amor seine Pfeile heraus.

Kritik

Die Idee zu "Made in Italy" ist klar erkennbar. Ein Vater-Sohn-Drama vor der herrlichen, romantischen Kulisse der Toskana. Gepaart mit einer Liebesgeschichte zwischen einer Italienerin, die in England gelebt hat, und einem Halb-Italiener.

So gut wie die Idee, ist die Umsetzung leider nicht, denn es mangelt an Ausarbeitung. Einigen Konflikten fehlt die Grundlage, andere bleiben zu oberflächlich. Die Rollen lassen Ausgestaltung vermissen, durchlaufen im besten Fall eine minimale Wandlung. Zudem reden die grob skizzierten Figuren viel und spielen wenig. Die Handlung ist durchweg sprunghaft und der angestrebte Naturalismus bleibt hinter den Möglichkeiten zurück.

Die Scheidung von Jack und Ruth ist der Auslöser dafür Vater und Sohn zusammenzubringen und die zwei nach Italien zu schicken, wo Punkte aus dem familiären Lebenslauf angesprochen werden. Dem Zuschauer wird vorenthalten, was in der Ehe von Jack und Ruth schiefgelaufen ist. Das ist unbefriedigend, weil die anstehende Scheidung wie ein Feigenblatt wirkt. Bei kurzem Nachdenken verwundert es, denjenigen zu entlassen, der die Galerie aufgebaut hat und die Kontakte zu den ausstellenden Künstlern hält.

Das anschließend stattfindende Vater-Sohn-Drama hat zu wenig Unterbau. Beide Männer leiden unter dem Tod der Mutter beziehungsweise Ehefrau. Das ist glaubwürdig und gleichzeitig als Geschichte zu dürftig, weil zu wenige andere Probleme angeschnitten werden.

Leider bleiben die Personen eindimensional. Liam Neeson, der hier mit seinem realen Sohn Micheál Richardson spielt, verkörpert die Rolle des emotional distanzierten Vaters zu gut. Der Kritiker nimmt ihm die Rolle des seelisch verletzten Künstlers nicht ab. Neeson passt besser in Action-Rollen wie in "The Commuter". Richardson spielt den Sohn, der stets im Schatten seines berühmten Vaters gestanden hat annehmbar; mehr Bandbreite wäre wünschenswert. Was auch auf Valeria Bilello zutrifft. Bilello spielt die kesse Italienerin sehenswert und gleichzeitig sehr gleichförmig. Insgesamt bleibt das Schauspiel eindimensional und die Figuren nehmen zu wenig mit.
Nebenrollen sind (der Komik halber) stark überzeichnet. So ist die Maklerin eine Kunstfigur, die Kaufinteressentin eine Bilderbuch-Esoterikerin und der Kaufinteressent ein neureicher Schnösel, dem jeglicher Sinn für Schönes fehlt.

Schade ist, dass die Kamera nicht abgefilmtes Leben einfängt. Beispielsweise geht Natalia, die Köchin, tagsüber nicht einkaufen und bereitet keine Gerichte vor. Abends hat sie in ihrem voll besetzten Restaurant nicht alle Hände voll zu tun, sondern Zeit für einen Plausch.

Der Schwerpunkt der Handlung ist unscharf. Die romantische Komponente gerät zur Nebensache und bekommt kurz vorm Ende noch einmal etwas Aufmerksamkeit. Das Vater-Sohn-Drama deckt zu wenig auf, um die Handlung spannend zu machen. Die Möglichkeit ein reales Vater-Sohn-Gespann auftreten zu lassen, weiß der Regisseur nicht zu nutzen. Meryl Streep und ihre Tochter Mamie Gummer zeigen im Film "Ricki – Wie Familie so ist" viel intensivere Momente. "Made in Italy" bleibt auf harmlosem Niveau.

Verständlich und trotzdem etwas ungeschickt ist die Idee, möglichst viele Klischees zu berücksichtigen. Die Italiener schlemmen gerne und eine Vespa knattert durchs Bild. Leider ist die Toskana trotz blühender Landschaften nicht der Sehnsuchtsort, der sie sein könnte, weil die Kamera keine Pracht einfängt. Der Humor kommt nicht unbedingt zu kurz, sondern zündet wiederholt nicht.

Details verwundern. Warum spricht Jack kein Wort Italienisch? Er hat als Kind in Italien gelebt und ist dort zur Schule gegangen. Jacks Vater hat mit einer italienischen Ehefrau in Italien gelebt und spricht ebenfalls kein Italienisch. Das Haus ist innen verfallen und der umgebende Garten gepflegt. Wer ist hier der Gärtner? Freundliche wild lebende Ziegen ;-)?

Fazit
"Made in Italy ist der erste Langfilm von James D'Arcy (Drehbuch und Regie). Als Gesellenstück eingestuft ist er ordentlich ausgefallen. Die Handlung geht nett dahin und ist mit Romantik, Konflikten und Humor garniert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: GroßbritannienItalien
Jahr: 2020
Laufzeit ca.: 95
Genre: Komödie
Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: -

Kinostart: aufgehoben

Regie: James D'Arcy
Drehbuch: James D'Arcy

Schauspieler: Liam Neeson (Robert) • Valeria Bilello (Natalia) • Micheál Richardson (Jack) • Lindsay Duncan (Kate) • Marco Quaglia (Luigi) • Gian Marco Tavani (Marzio) • Helena Antonio (Raffaella)

Produktion: Pippa Cross • Sam Tipper-Hale
Szenenbild: Stevie Herbert
Kostümbild: Louise Stjernsward
Maskenbild: Carla Vicenzino • Noriko Watanabe • Felicity Wright
Kamera: Mike Eley
Musik: Alex Belcher
Schnitt: Anthony Boys • Mark Day


Bild: Leonine

1 customer review

befriedigend
04.08.20
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