Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer

Kinoplakat Mister Link

Ein ehrgeiziges und leider verkanntes Genie trifft auf ein Monster mit einem eisigen Herzenswunsch. Den kann der berechnende Entdecker nicht abschlagen und geht mit der Kreatur auf eine Weltreise.

Sir Lionel Frost arbeitet hart an der Erfüllung seines Lebenstraums. Er möchte endlich in den exklusiven, britischen Club der Abenteurer aufgenommen werden. Doch für den glücklosen Forscher gilt das Motto wie gewonnen so zerronnen. Gerade hat er das ultimative Beweisfoto eines Monsters im Kasten, da geht der Fotoapparat zu Bruch. Wie gut, dass ihn in der Stunde der großen Enttäuschung ein Brief erreicht. Darin ist die Rede von einem Phantom, das irgendwo in den Wäldern Amerikas zu finden sein soll. Selbstverständlich bricht Frost sofort auf und ist mehr als erstaunt auf ein sprechendes Wesen zu treffen, das vielleicht das Bindeglied in der Evolution zwischen Affe und Mensch ist. Er erfährt, dass das Treffen kein Zufall ist, denn das Wesen, das sich selbst Susan nennt, hat einen Wunsch, den Frost ihm vielleicht erfüllen kann.

Kritik

Der Animationsfilm "Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer" setzt auf die Geschichte von "In 80 Tagen um die Welt" die Ebene der Freundschaft. Na ja, genau genommen nutzt die Produktion die Komponente und vernachlässigt sie. Die meiste Zeit verfolgt Frost sein egoistisches Ziel und an seiner Seite reist das Wesen. Das versteht zwar die menschliche Sprache, aber keine Redensarten und nimmt stets alles wörtlich. Was für einige Gags sorgt, aber kaum für familientauglichen Humor. Die im Kino anwesenden Kinder lachten dann, wenn sich jemand wehtat. Aber über sexuelle Anspielungen wie die, dass das Monster keine Hose trägt oder sich statt ans Herz an die Brustwarzen fasst, lachte nur ein Teil der Erwachsenen.

Leider verschenkt nicht nur der Humor viel Potenzial. Interaktionen zwischen den zwei beziehungsweise drei Charakteren gibt es keine nennenswerten. Eine Weiterentwicklung der Figuren fehlt. Vielmehr reisen drei feststehende stark klischeebehaftete Figuren um die Welt. Adelina Fortnight ist das Abziehbild einer lateinamerikanischen Frau. Lionel Frost der spleenige Wissenschaftler und das Monster ist naiv und gutherzig.

Auch die Weltreise schöpft ihre Möglichkeiten kaum aus. Im Amerika der Goldgräberzeit gibt es einen Saloon und wo es einen Saloon gibt, da tritt eine Animierdame auf, Pokerspieler sitzen am Tisch und es findet eine Schlägerei statt. Während des Ritts auf einem indischen Elefanten klatscht Frost ein Ast ins Gesicht. Landestypische Begebenheiten finden so gut wie keine Berücksichtigung. Die Helden hadern weder mit Verständigungsschwierigkeiten noch mit Sitten und Gebräuchen.
Lösungen müssen nicht erarbeitet werden, sondern ergeben sich einfach so. Die Reisenden starten und sind zu oft nach wenigen Schnitten am Ziel. Selbst der Bösewicht, der sie am Erreichen des Ziels hindern soll und abgeschüttelt wird, ist plötzlich auf demselben Schiff. Das ergibt eine altbekannte Story aus beliebten Motiven und Versatzstücken.

Die Dialoglast des Films ist hoch. Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle ist eine Geschmacksfrage, weil er in seiner Bandbreite beschränkt ist. Bastian Pastewka als Mister Link ist kein Lichtblick und Collien Ulmen-Fernandes als Adelina eine Belastung fürs Ohr.

Fazit
Die Grundlage zu "Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer" lässt meine Fantasie schnell auf Hochtouren laufen. Was die Filmemacher anders sehen. Sie sind verliebt in ihre Animationstechnik und toben sich darin aus. Erzählerisch setzen sie auf eine müde Story, erfüllen die zu erwartenden Standards und verschenken sehr viel Potenzial. Möglich wäre ein Kumpel-Reise-Abenteuerfilm – doch es ist ein atemloses Roadmovie.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Missing Link
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 94
Genre: AbenteuerAnimationFamilieFantasyKomödieRoadmovie
Verleih: Entertainment One
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 30.05.2019
Heimkino: 10.10.2019

Regie: Chris Butler
Drehbuch: Chris Butler

Sprecher: Hugh Jackman / Christoph Maria Herbst (Sir Lionel Frost) • David Walliams (Mr. Lemuel Lint) • Stephen Fry (Lord Piggot-Dunceby) • Matt Lucas (Mr. Collick) • Zach Galifianakis / Bastian Pastewka (Mr. Link (Susan)) • Timothy Olyphant (Willard Stenk) • Zoe Saldana / Collien Ulmen-Fernandes (Adelina Fortnight) • Amrita Acharia (Ama Lhamu) • Ching Valdes-Aran (Gamu) • Emma Thompson (The Elder) • Humphrey Ker (Doorman / General Pugh) • Adam Godley (Lord Bilge)

Produktion: Travis Knight • Arianne Sutner
Szenenbild: Nelson Lowry • Steve Emerson • Oliver Jones • Brian McLean • Brad Schiff
Kostümbild: Deborah Coo
Musik: Carter Burwell


Bild: Entertainment One

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