Reine Chefsache

Kinoplakat Reine Chefsache

Der Spruch vom alten Eisen hat ausgedient. Synergie-Effekte, Crosspromotion und Elefantenhochzeiten unter Konzernen sind der falsche Weg. Was zählt, ist der menschliche Faktor und dabei schlagen alte Hasen rücksichtslose Grünschnäbel mit links. Wie diese Komödie mit ihren sympathischen Darstellern beweist.

Eines im Leben ist sicher: Sicherheit gibt es nicht. Das bekommt auch der 51-jährige Dan Foreman (Dennis Quaid) zu spüren. Erst offenbart ihm seine Frau schwanger zu sein. Dann nimmt er eine Hypothek auf, damit Tochter Alex (Scarlett Johansson) das teure College besuchen kann. Alles kein Problem mit einem geregelten festen Gehalt, glaubt er. Doch die Sportzeitung, für die er Anzeigen verkauft, wechselt unvermittelt den Besitzer. Ein junger Schnösel übernimmt die Leitung der Abteilung, Dan fällt auf den zweiten Platz hinab. Sein neuer Chef Carter Duryea (Topher Grace) kommt frisch von der Uni, hat von Tuten und Blasen keine Ahnung, glaubt aber an die Kraft von Marketing-Sprech. In der Praxis soll er mit weniger Mitarbeitern größere Umsätze machen. Der alte Hase Dan beobachtet diese Versuche in einer Mischung aus Ablehnung und Mitleid, greift dem Jungen schon mal unter die Arme.

Der ebenso hoffnungslos vereinsamte wie überforderte Carter ist einerseits dankbar, andererseits bringt er es nicht übers Herz zu gestehen, mit Dans Tochter eine Affäre begonnen zu haben. Das kann nicht gut gehen und endet für den jungen Verehrer mit einem blauen Auge. Der Auftakt zu einer Rosskur, denn der neue Besitzer der Zeitschrift hat ebenfalls begriffen, dass Sprechblasen solche sind. Zeit für die alten Hasen, zu beweisen, welchen Wert Berufserfahrung und Kontakte in Wahrheit haben.

Kritik

Auch wenn der Film nicht in der Welt der Dotcoms spielt, erinnert er durchaus an die seligen Zeiten, in denen selbst Praktikanten den Chef duzten und alles ganz furchtbar sexy ablief ... bis die Blasen platzten. Der Film setzt etwas später an und nimmt die Elefantenhochzeiten von Großkonzernen aufs Korn. Die dabei viel gepriesenen Synergie-Effekte werden gnadenlos entlarvt. Das läuft vornehmlich auf dem zwischenmenschlichen Sektor ab und fast etwas zu märchenhaft, doch "Reine Chefsache" ist nun mal ein Feel good Movie. Geschickt mischen sich bitterer Humor, Warmherzigkeit und Romantik. Dass dabei immer die richtigen Fragen gestellt werden und am Ende ein zu dickes Happy End auf den Zuschauer wartet, verschmerze ich. Der gelungene Szenenhumor zeigt die Figuren mit ihren Stärken und Schwächen. Obwohl Topher Grace als Chef ein unglaublicher Kotzbrocken ist, kann man ihm nicht so richtig böse sein, denn er ist im Grunde genommen ein bemitleidenswerter Verlierer. Sein teurer Porsche ist flugs so ramponiert wie sein Privatleben, dass nur noch ein Goldfisch mit ihm teilt. Der Jungmime überzeugt in der Rolle des Schnösels, der sich vom Buhmann zum Sympathieträger wandelt. Dennis Quaid als Zentralfigur gibt glaubwürdig den alten Hasen, der zwar bis ins Mark erschüttert wird und dennoch die Oberhand behält. Es macht Spaß ihm dabei zuzusehen. Scarlett Johansson (Das Mädchen mit dem Perlenohrring) ist in der Rolle der Tochter etwas unterfordert, gibt trotzdem eine souveräne Darbietung ihres Könnens.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: In Good Company
Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 109
Genre: Komödie
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 24.03.2005
Heimkino: 14.11.2005

Regie: Paul Weitz
Drehbuch: Paul Weitz

Schauspieler: Dennis Quaid (Dan Foreman) • Topher Grace (Carter Duryea) • Scarlett Johansson (Alex Foreman) • Marg Helgenberger (Ann Foreman) • David Paymer (Morty) • Clark Gregg (Steckle) • Philip Baker Hall (Eugene Kalb) • Selma Blair (Kimberly) • Frankie Faison (Corwin) • Ty Burrell (Enrique Colon) • Kevin Chapman (Lou) • Amy Aquino (Alicia) • Zena Grey (Jana Foreman) • Malcolm McDowell (Teddy K.)

Produktion: Chris Weitz • Paul Weitz
Szenenbild: William Arnold
Kostümbild: Molly Maginnis
Maskenbild: Nena Smarz
Kamera: Remi Adefarasin
Musik: Stephen Trask
Schnitt: Myron Kerstein


Bild: Tobis

1 customer review

befriedigend
24.03.05
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