Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

Kinoplakat Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

In einer dystopischen Stadt müssen die Bürger ihren Beitrag leisten, wollen sie das Wohnrecht nicht verlieren. Das betrifft auch Hugo Drowak, der sich für einen Schreibkurs eingetragen hat. Diesen soll die frisch eingestellte Lena Jakobi leiten. Die trifft in der heruntergekommenen Wohnung auf einen verwahrlosten Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch Lena ist jung und entschlossen. Unter ihrer Führung gelingt es Hugo tatsächlich zu schreiben. Damit ist er vorübergehend vor dem Zugriff durch das AMT sicher.

Kritik

In kantigem Schwarzweiß eröffnet der experimentelle Film von Nicolas Steiner. Die eigenartigen Bilder sind sehenswert, sei es die mit Flaschen vollgestellte Wohnung oder die verzerrten Kameraperspektiven der Großstadt mit ihren kippenden oder sich einrollenden Panoramen. Etwas aufgesetzt wirken Spielereien wie die Größe der Büros der Beamten. Während der einfache Beamte mit so wenig Platz auskommen muss, dass man zwangsläufig an Käfighaltung denkt, hat der leitende Beamte ein Großraumbüro für sich allein. Leider nutzen die Effekte auf die Dauer ab.
Diesen Eindruck verstärkt die inhaltsarme Handlung. Hugo Drowak ist mitnichten ein unvorbelasteter Mann, sondern eine verletzte Künstlerseele. Seine Vergangenheit wird in Bruchstücken aufgerollt, während ihn in der Gegenwart die eigenen Dämonen in Gestalt menschengroßer Ratten heimsuchen. Schade, dass die Vita des Mannes unergiebig bleibt. Auch nicht erfrischend, dass die Handlung ab einem Punkt ausufert und sich zu suhlen beginnt. Das betrifft ungünstigerweise auch die Darstellung von Karl Markovics, der sich förmlich in der Rolle suhlt.
Luna Wedler als Lena Jakobi hat das kurze Streichholz gezogen. Ihre Rolle hat keine Vergangenheit und erfährt auch kaum eine Ausgestaltung. Ihr Auftreten als Therapeutin ist überspannt und eindimensional. Schade, denn Wedler hat schon mehr von sich zeigen dürfen.

Fazit
Sehenswert an diesem surrealen Experiment in erster Linie das Szenenbild. Doch leider füllt das keinen Film und der Mangel an Inhalt tritt mit der Lauflänge immer schmerzlicher zutage.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Deutschland • Schweiz
Jahr: 2024
Laufzeit ca.: 127
Genre: Tragikomödie

Verleih:  X Verleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 19.02.2026

Regie: Nicolas Steiner
Drehbuch: Bettina Gundermann

Schauspieler: Luna Wedler (Lena Jakobi) • Karl Markovics (Hugo Drowak) • Saga Sarkola (Ana Pajula) • Nikolai Gemel (Hugo Drowak) • Lars Eidinger (Amtsleiter) • Jan Bülow (Marlon Grohmann) • Dominique Pinon (Edgar) • Bettina Stucky (Lore) • Paul Schröder (Wirt Peter Keller) • Vera Flück (Sarah Baum) • Barbara Colceriu (Frau Dreiling) • Soraya Maria Efe (Neruda-Mädchen) • Andy Herzog (Ordnungsbeamter) • Uke Bosse (Ordnungsbeamter) • Thelma Buabeng (Marcela von der Aue)

Produktion: Marc Müller-Kaldenberg • Pascal Nothdurft
Szenenbild: Nina Mader • Mirjam Zimmermann
Kostümbild: Laura Locher
Maskenbild: Anna Kunz • Anna Kunz • Clara Bonnen
Kamera: Markus Nestroy
Ton: Bertin Molz
Musik: John Gürtler • Jan Miserre
Schnitt: Kaya Inan

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Bild: X Verleih

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