Spieglein Spieglein

Kinoplakat Spieglein Spieglein

Manche Geschichten sind so alt, dass sie nicht mehr richtig erzählt werden. Diesen misslichen Umstand ändert der Film für das Märchen von Schneewittchen. Aus der Sicht der bösen Königin schildert er die Geschichte neu.

Die Ausgangslage ist wie gehabt der Konflikt zwischen Schneewittchen und ihrer Stiefmutter, die es nicht ertragen kann, nicht die schönste Frau des Landes zu sein. Sie befiehlt den Tod der Schwiegertochter und hier trennen sich die Wege des klassischen Märchens und der Neufassung. Schneewittchen lernt die Zwerge und einen Prinzen kennen, am Ende ist auch ihr Vater wieder mit von der Partie, doch märchenhaft ist der Film nicht. Vielmehr ist es eine Komödie, die den Grat zwischen Komik und Albernheit überschreitet. Dabei bleiben viele schöne Ideen im Ansatz stecken. Julia Roberts spielt die Königin als eine Frau, die mit dem Problem des Älterwerdens zu kämpfen hat. Doch ihr Gesicht ist faltenfrei geschminkt. Sie trägt sie jede Menge schöner Kostüme zur Schau, aber leider kaum Schauspielkunst und bleibt eine Anziehpuppe. Das ist für Julia Roberts schade, weil sie schauspielern kann und es nicht zeigen darf. Für den Zuschauer ist es enttäuschend, denn viel interessanter wäre es, wenn die Schauspielerin eine fiese oder hässliche Seite aufzeigen würde.

Ähnlich ergeht es Armie Hammer als Prinz Andrew Alcott von Valencia. Der darf seinen knackigen Körper in Unterhosen zeigen. Doch auch seine Darstellung bleibt schwach. Sein Gehabe hat wenig von einem Prinzen und viel von einem Clown. Besser ergeht es den Sieben Zwergen auch nicht, die jeweils ein Klischee verkörpern. Mehr Glück hat Lily Collins als Schneewittchen. Ihre Ausbildung zur Räuberprinzessin ist eine gefällige Idee. Sie darf etwas durchlaufen, was man als Selbsterfahrung und Entwicklung betrachten kann. Doch am Ende ist wieder alles beim Alten und es gibt für sie kein größeres Glück als die Hochzeit mit dem Prinzen. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück.

Die Optimierung für eine Zielgruppe erfolgt inkonsequent. "Spieglein Spieglein" ist als Film für die ganze Familie angelegt, ohne so zu funktionieren. Erwachsene werden zwar die bissigen Bemerkungen der Stiefmutter verstehen, wie auch die Boshaftigkeit der Schönheitsbehandlung mit Vogelkacke und Botox-Skorpionen. Es wird ihnen aber auch auffallen, dass die böse Stiefmutter zwar irgendwie böse ist, die Rolle der Unterdrückerin schlecht ausfüllt. Aber unterm Strich bietet der Film für sie zu wenig Angriffsfläche. In dieser Hinsicht bleibt es ein Kinderfilm. Was den Vorteil hat, dass Kinder die Schwächen der Handlung nicht erkennen werden.

Wie etwa die Holperigkeiten. Der Umstand, dass der Schwarzen Magie eine Schlüsselrolle zufällt und diese unerklärt bleibt, ist zu verschmerzen. Magie ist Teil von Märchen. Doch weshalb fragt die böse Stiefmutter nie nach der Konsequenz, die ihr das Spiegelbild mehrfach androht? Und warum zaubert sie einen Liebestrank für Hunde? Wenn ich mich nicht täusche, spielt im Film kein Hund mit. Folglich dient der Trank nur dazu, Armie Hammer als Hund auftreten zu lassen. Allerdings ist die Szene nicht witzig und berührt peinlich.

Von den bislang genannten Schwachpunkten abgesehen, ist die Besetzung von Tarsem Singh als Regisseur keine gute Idee. Ihm gelingt es nicht dem Geschehen Leben zu verleihen. Sein Werk ist visuell interessant und rückt die Darsteller ins beste Licht. Eine richtig schöne Geschichte erzählt er nicht. Nicht zuletzt ärgern einige Effekte. Beispielsweise schneit es im Film fast unablässig, doch die Schneeflocken bleiben weder auf den Bäumen noch auf den Menschen liegen. Kommen sie doch aus dem Computer?

Fazit
Die Idee, ein altes Märchen in ein neues Gewand zu kleiden gefällt ebenso wie die Idee, einen Realfilm wie Trick erscheinen zu lassen. Auch das Ende im Bollywood-Stil ist vielversprechend. Doch der Weg dahin überzeugt nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %

Bereits angekündigt ist eine weitere Verfilmung des Stoffs als: Snow White and the Huntsman.


Original Filmtitel: Mirror Mirror
Alternativtitel: Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen
Land: USA
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 106
Genre: AbenteuerFamilieFantasyKomödieKostümMärchen
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 05.04.2012
Heimkino: 04.10.2012

Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Marc Klein • Jason Keller • Melisa Wallack

Schauspieler: Julia Roberts (Queen) • Lily Collins (Schneewittchen) • Armie Hammer (Prince Alcott) • Nathan Lane (Brighton) • Jordan Prentice (Napoleon) • Mark Povinelli (Half Pint) • Joe Gnoffo (Grub) • Danny Woodburn (Grimm) • Sebastian Saraceno (Wolf) • Martin Klebba (Butcher) • Ronald Lee Clark (Chuckles) • Sean Bean (King)

Produktion: Bernie Goldmann • Ryan Kavanaugh • Brett Ratner
Szenenbild: Tom Foden
Kostümbild: Eiko Ishioka
Maskenbild: Felicity Bowring
Kamera: Brendan Galvin
Musik: Alan Menken
Schnitt: Robert Duffy • Nick Moore


Bild: Studiocanal

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