Ruf der Wildnis

Kinoplakat The Call of the Wild

Nach Motiven des Romans von Jack London erzählt der Familienfilm die Geschichte eines Teenagers. Der ist kein Mensch, sondern ein Bernhardiner mit dem Namen Buck. Aber Buck erlebt die typischen Jahre des Heranwachsens. Ist anfangs noch ungestüm und verantwortungslos, lernt dazu und findet am Ende des Films seinen Platz im Leben, indem er dem Ruf der Wildnis folgt.

Kritik

Es ist dem Film anzumerken, dass er zwar von "20th Century Studios" vertrieben wird, die bis zur Übernahme durch Walt Disney "20th Century Fox" hießen, aber ein recht typischer Disney-Film ist. Das Drama beginnt mit einem nett animierten Vorspann, der von der Goldgräberzeit erzählt. Dann tritt Hund Buck als Clown im Wilden Westen auf und ist in der ersten Episode ein tollpatschiger Hund, der für gespielte Komik sorgt. Verantwortung ist für ihn ein Fremdwort, seine Körperkraft kann er nicht immer kontrollieren. Nach einer Entführung wird er in der zweiten Episode zum Schlittenhund und Omar Sy übernimmt die Rolle des Clowns. Buck lernt durch das Leben im Rudel Verantwortung zu übernehmen.
Im dritten Abschnitt tritt Buck mehr in den Vordergrund und spielt neben Harrison Ford eine tragende Rolle. Immer stärker vernimmt er den Ruf der Wildnis, das heißt seine Instinkte erwachen und er sucht nach seinem Platz im Leben. Den findet er schließlich als Teil eines Wolfsrudels.

Eine nett ausgedachte Geschichte, die nebenbei Werte vermittelt und auffällig oft wiederholt. In ihr wird Buck mehrmals zum Lebensretter. Schade ist, dass kein wirkliches Herzblut in dem Film steckt. Die Handlung sollte ein klassisches Abenteuer sein. Doch der Film vermittelt leider nicht das Gefühl einem Abenteuer beizuwohnen. Beispielsweise fehlt die besondere Stimmung der Zeit des amerikanischen Goldrausches. Die modern inszenierte Selbsterfahrung des Hundes, die esoterische Züge trägt und ihn vermenschlicht, passt schlecht zu der Zeit, in der die Handlung spielt.

Weiterhin frage ich mich, ob das Drehbuch nicht besser als Trickfilm umgesetzt worden wäre mit sprechenden Tieren? In dieser Fassung aus Real- und Trickfilm ist Buck so stark vermenschlicht, dass ich darauf warte, dass er zu sprechen beginnt. Doch er bleibt stumm. Leider kommt der Erzähler nur sparsam zum Einsatz und aus dem Film will nicht der Märchenfilm werden, der denkbar wäre. Nahe am Märchen ist die süßliche Umsetzung des Ganzen, die jede Szene weichgespült. Fängt Buck nachts einen Hasen, dann lässt er ihn nicht nur frei, sondern stupst ihn mit der Nase an, damit der Hase davon hoppelt. Gemeinsam mit Harrison Ford darf Buck musizieren. Selbst die Landschaft ist weniger beeindruckend als vielmehr kitschig.

Es ist schade, dass der Hund animiert worden ist, statt mit echten Hunden zu arbeiten. Die Darstellung der Tiere gelingt unterschiedlich gut, im besten Fall annehmbar. In schlecht gestalteten Szenen bewegen sich die dem Computer entsprungenen Tiere nicht wie reale Vorbilder oder es fällt auf, dass Buck in die Szene kopiert worden ist. In einigen Szenen schauen die Schauspieler offensichtlich am Hund vorbei. Wirklich schade ist, dass Buck mich nicht anspricht. Obwohl er die Hauptrolle spielt, wächst er mir nicht ans Herz.

Enttäuschend ist, dass die Rollen der menschlichen Darsteller so wenig Ausbau bekommen. Omar Sy hat viel zu lachen und wenig zu spielen. Seine Partnerin Cara Gee übernimmt als Françoise eine Nebenrolle. Harrison Ford spielt den desillusionierten alten Mann mit wenigen Ambitionen. In den ersten zwei Abschnitten wäre mehr Ausbau des Verhältnisses Buck und Menschen denkbar beziehungsweise mehr Ausbau der menschlichen Charaktere.

Fazit
Die Handlung des episodischen Films weckt in mir keine Abenteuerabstimmung und ist unergiebig. Die Tiere sind nicht überzeugend animiert. Insgesamt schade, weil hier mehr möglich gewesen wäre.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: The Call of the Wild
Land: USA
Jahr: 2020
Laufzeit ca.: 96
Genre: AbenteuerAnimationFamilieWestern
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 20.02.2020
Heimkino: 06.08.2020

Regie: Chris Sanders
Drehbuch: Michael Green • Egerton Ryerson Young
Literaturvorlage: Jack London

Schauspieler: Karen Gillan (Mercedes) • Bradley Whitford (Richter Miller) • Harrison Ford (John Thornton) • Dan Stevens (Hal) • Jean Louisa Kelly (Katie Miller) • Cara Gee (Françoise) • Omar Sy (Perrault) • Wes Brown (Mountie) • Terry Notary (Buck) • Preston Bailey (Teenager) • Colin Woodell (Charles) • Alex Solowitz (Goldgräber)

Produktion: Erwin Stoff
Szenenbild: Stefan Dechant
Kostümbild: Kate Hawley
Maskenbild: Deborah La Mia Denaver
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Powell
Schnitt: David Heinz


Bild: 20th Century Fox

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ausreichend
19.02.20
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