Milchkrieg in Dalsmynni

Kinoplakat The County

Das Drama zeigt einen Fall von David gegen Goliath. Eine entschlossene Frau nutzt den Mut der Verzweiflung und begehrt gegen die Diktatur eines Mannes auf.

Inga und ihr Mann betreiben in Island einen Hof mit Milchkühen. Eines Tages stirbt der Ehemann bei einem Autounfall. Bäuerin Inga muss den Schock verwinden und überlegen, wie es weitergehen soll. Sie beschließt, einige Dinge anders zu handhaben als ihr verstorbener Mann und bringt dadurch die Genossenschaft gegen sich auf. Die sieht ihre Aufgabe im Geben und Nehmen. Das war der Gründungs-Gedanke. Doch mit den Jahren ist die Solidargemeinschaft zum Machtinstrument eines einzigen Mannes geworden. Der nutzt seine Machtposition weidlich aus und die Bauern haben das Nachsehen. Diese Schieflage prangert Inga öffentlich an.

Kritik

Der Film "Milchkrieg in Dalsmynni" ist eine Tragödie, die im Kleinen widerspiegelt was im Großen passiert. Die Ideale von einst geraten in Vergessenheit und Einzelne genießen Vorteile auf Kosten zulasten der Gemeinschaft. Anhand weniger Reibungspunkte stellt die Handlung ihre These dar. Sie verzichtet darauf das Geschehen in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Es wäre möglich den Vorfall als Kampf gegen das Patriachat zu sehen oder ihn in Bezug zur Lage des Landes beziehungsweise des Weltmarktes zu setzen. Beides geschieht nicht. Der Plot geht wenig ins Detail und bleibt schematisch.

Die zu erwartenden Rollen haben ihre Auftritte. Es gibt den Mächtigen, den Kollaborateur, den Handlanger, die Mitläufer und die Rebellin. Das zeichnet einen so stimmigen wie spezifischen Film, dessen Inhalt die Darstellung der Mechanismen ist. Die Möglichkeit den Film mit einer Charakterstudie zu bereichern bleibt ungenutzt. Das ist auch deshalb schade, weil die Hauptdarstellerin den Eindruck macht, dies bieten zu können.

Das Tempo der Erzählung ist gemächlich. So wie zwangsläufig ein Tag auf den anderen folgt, setzt die Handlung Baustein auf Baustein. Ihre Ideen sind solide und zeigen wenig Neues. Wenn Inga ihre Milch lieber auf der Straße vergießt, als sie der Genossenschaft zu verkaufen, dann handelt sie so, wie auch Bauern in Deutschland bereits gehandelt haben.

Die Kamera fängt Landschaften ein, die von Weite und Kargheit dominiert werden und in der die Menschen fast verloren wirken. Vielleicht reden sie darum nur das Notwendigste. Das Stilmittel der Dialogarmut passt ins Gesamtbild. Gleichzeitig erfährt der Zuschauer leider wenig von den Personen. Selbst Hauptdarstellerin Inga bleibt verschlossen und der Raum für eigene Interpretationen ist groß.

Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen gut. Allen voran Arndís Hrönn Egilsdóttir die als robuste Bäuerin entschieden über den Hof und durch ihr Leben stapft. Der aufgezeigte Lebensabschnitt ist naturalistisch inszeniert.

Fazit
Der Titel "Milchkrieg in Dalsmynni" führt in die Irre. Es ist kein Krieg, sondern der Fall zivilen Ungehorsams einer ungewöhnlichen Heldin. Inga nutzt den Tod ihres Mannes, um ihrem Leben die notwendige Zäsur zu verleihen. Den vom Verleih versprochenen Humor, vermag ich nicht zu erkennen, vieles am Film ist bleiern und niederdrückend – trotz des Endes mit Aussicht auf Besserung. Alles in allem ein Programmkino-Tipp für politisch Interessierte.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Alternativtitel: Héradid • Mjólk • The County
Land: Island
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 92
Genre: DramaKomödie
Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 09.01.2020

Regie: Grímur Hákonarson
Drehbuch: Grímur Hákonarson

Schauspieler: Arndís Hrönn Egilsdóttir (Inga) • Þorsteinn Bachmann • Þorsteinn Gunnar Bjarnason (Bjössi) • Daniel Hans Erlendsson (Heiðar) • Hafdís Helga Helgadóttir (Katla) • Siggi Holm (Hinrik) • Alfrun Rose (Ása) • Sigurður Sigurjónsson • Hannes Óli Ágústsson (Leifur)

Produktion: Grímar Jónsson
Szenenbild: Bjarni Sigorbkörnsson
Kostümbild: Margrét Einarsdóttir
Kamera: Mart Taniel
Musik: Valgeir Sigurdsson
Schnitt: Kristján Lodmfjörd


Bild: Alamode Film

1 customer review

befriedigend
03.11.19
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