Ticket ins Paradies

Kinoplakat Ticket ins Paradies

Einen knackigen Burschen in paradiesischer Umgebung kennenzulernen, verleitet rasch zu der Idee, das Glück auf Erden gefunden zu haben. Das sehen die Eltern der frisch verliebten Lily ganz anders und beschließen, die Tochter in die Realität zurückzuholen. Die ahnt jedoch, was ihre dauerhaft zankenden Eltern im Schilde führen. Und so kommt es, wie es kommen muss.

Tochter Lily hat auf Bali ihr Glück gefunden, will es festhalten und nach nur wenigen Monaten Bekanntschaft einen Algen-Farmer heiraten. Das stufen ihre Eltern als den größten Fehler des Lebens ein, denn Lily hat Jura studiert und in den USA bereits eine Stelle in Aussicht. Also fliegen die Eltern nach Bali, um Lily die Flausen auszutreiben, beschließen, einen Keil zwischen das junge Paar zu treiben. Das sollte für die Zwei eine Kleinigkeit sein, denn seit mehr als zwei Jahrzehnten leben sie getrennt und nutzen jede Gelegenheit den anderen herabzuwürdigen. Dabei gehen die Streithähne nicht so radikal vor wie das Paar in "Eyjafjallajökull", wesentlich lustiger ist allerdings auch die britische Produktion nicht.

Julia Roberts und George Clooney hat der Kritiker lange nicht mehr so farblos spielen sehen. Beiden Stars muss zugutegehalten werden, dass sie sich nicht in den Vordergrund drängen. Aber gegen das Drehbuch und die Regie konnten sie wohl wenig ausrichten. Der größte Schwachpunkt ist die belanglose Handlung. Eine junge Frau lernt im "Paradies" einen attraktiven Mann kennen und lieben. Gede, so heißt der Naturbursche, stört es wenig, dass sie bei der ersten Verabredung nicht ihre Schokoladenseite zeigt, sondern hauptsächlich Probleme wälzt. Er hingegen ist ausgeglichen und lebt in Einklang mit der Natur. Sein Haus ist keine baufällige Fischerhütte, sondern ein Ressort am Meeresstrand. Dort erntet der Beau jeden Tag im kristallklaren Wasser seine Algen. Natürlich ist die Amerikanerin Lily augenblicklich verwandelt und hat ihre Mitte gefunden. Warum die zwei einander anziehen, erforscht die Geschichte nicht. Wozu auch? Bali ist das Paradies und im Paradies sind die Menschen glücklich. Selbstredend haben die Einheimischen keine Vorurteile der Amerikanerin gegenüber.
Fehlt nur die biblische Schlange, die in Gestalt von Lilys Eltern versucht, die Beziehung zu unterminieren. Das gelingt Lilys Vater David kurzfristig, indem er Zweifel in Gede sät. Der durchschaut die List jedoch schnell. Derweil bleibt auch Mutter Georgia nicht untätig. Da der Tag der Hochzeit näher rückt, geraten die Eltern unter Druck. Sie haben jedoch ausreichend Zeit für eine Klärung der eigenen Beziehung. Die jedoch keine Hassliebe ist und das zahnlose Drehbuch ist keine Screwball Comedy. Die Witze funktionieren ungefähr nach diesem Strickmuster.
David: Was sollen wir machen?
Georgia: Wir machen das.
War auch meine Idee. Du machst es.
Warum ich?
Weil es deine Idee war.
Gelungen ist die Idee, dass die Tochter ihre Eltern schachmatt setzt, indem sie deren Mechanismen gegen sie verwendet. Das ist allerdings einer der raren Höhepunkte der Komödie.

Es geht viel Zeit dahin, die Landschaft ist schön, das Wetter sonnig und die Einheimischen sind freundlich. Georgia, die keine Überraschungen mag, wird mehrfach von ihrem jungen Liebhaber überrascht. Dem gibt sie am Ende den Laufpass. Was wohl keinen Zuschauer überrascht. Im Happy End steht dem Glück für Jung und Alt nichts mehr im Weg. Es wird eine schwammige Begründung für die Trennung der Eltern abgegeben und dann entdecken die ihre Liebe neu.

Alles gut? Leider nicht. Die Balgereien zwischen Julia Roberts und George Clooney zünden nicht. Die Beziehungsklärung lahmt und später treten sie nicht neu verliebt auf. Die zwei Kreativen spielen ihre Rollen mit großer Routine und ohne jeglichen Esprit. Beide sehen im harten Naturlicht nicht glamourös aus, sondern in vielen Szenen erstaunlich unattraktiv. Die Nebenrollen bleiben neben den Altstars solche. Am härtesten trifft es Billie Lourd als Lilys beste Freundin, die das fünfte Rad am Wagen ist. Es ist insgesamt bedauerlich, dass die Charaktere so wenig ausgearbeitet worden sind.

Fazit
"Ticket ins Paradies" bleibt bedauerlicherweise in den meisten Gesichtspunkten belanglos.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Ticket to Paradise
Land: USA
Jahr: 2022
Laufzeit ca.: 104
Genre: Komödie
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 15.09.2022
Heimkino: 01.12.2022

Regie: Ol Parker
Drehbuch: Ol Parker • Daniel Pipski

Schauspieler: George Clooney (David) • Sean Lynch (Rob) • Julia Roberts (Georgia) • Arielle Carver-O'Neill (Kimberley) • Ling Cooper Tang (Auktionator) • Billie Lourd (Wren Butler) • Kaitlyn Dever (Lily) • Charles Allen (Dean) • Maxime Bouttier (Gede) • Francis McMahon (Artist) • Geneviève Lemon (Beth-Ann) • Romy Poulier (Lauren)

Produktion: Tim Bevan • Eric Fellner • Sarah Harvey • Deborah Balderstone
Szenenbild: Owen Paterson
Kostümbild: Lizzy Gardiner
Maskenbild: Louise Coulston • Rick Findlater • Emma George • Quinton Wallace
Kamera: Ole Birkeland
Musik: Lorne Balfe
Schnitt: Peter Lambert


Bild: Universal Pictures International

1 customer review

Befriedigend
14.09.22
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