Villa Henriette

Kinoplakat Villa Henriette

Als Marie (Hannah Tiefengraber) an diesem Morgen aufwacht, ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Weil ihrer Tante das Geld ausging, will die Bank die "Villa Henriette" zwangsversteigern. Wie konnte es nur soweit kommen?

Maries Tante, die leidenschaftliche Erfinderin, hatte ihr Geld einem windigen Betrüger anvertraut, der sich damit aus dem Staub gemacht hat. Maries Vater ist seit längerer Zeit arbeitslos, was er zu verheimlichen sucht. Die Mutter eine stressgeplagte Stewardess hat eigentlich nie Zeit für die Familie und der Rest des neurotischen Haufens ist nicht der Rede wert. Die Einzige, die das Problem lösen kann, ist das Mädchen Marie, aber die muss nicht nur die Geschichte des verschwundenen Geldes aufklären, sondern wird zudem noch mit zwei aufdringlichen Verehrern konfrontiert, die beide fordern, der einzige Mann in Maries Leben zu sein. Als ob sie nicht schon genug Sorgen hätte!

Kritik

Regisseur Peter Payer legt seinen Kinder-Film wie ein experimentelles Theaterstück an. Im Vordergrund steht weniger der familiäre Zusammenhalt als vielmehr die Ausformung der schrulligen Charaktere, die als Einzelgänger unter einem Dach leben. Ihre Persönlichkeiten sind wenig ausgeformt, eine Besonderheit pro Nase muss ausreichen.

Die Handschrift gerät uncharmant und es ist nicht nachvollziehbar, was das Haus oder die Verwandtschaft liebenswert machen soll. Der Onkel etwa hat die fiese Angewohnheit vom Balkon zu pinkeln; in einer vermeintlich lustigen Szene pinkelt er Maries Freund auf den Kopf. In einer anderen Szene stellt ihm das Mädchen eine Vase unter, weil der Mann aufgrund seines Rückenleidens es nicht bis auf den Balkon schafft. Solche fragwürdigen Scherze haben in einem Kinder-Film nichts zu suchen.

Leider hat die "Villa Henriette" abgesehen vom seltsamen Humor weitere Eigenwilligkeiten zu bieten. Es beginnt mit einem schlechten Drehbuch. So frage ich mich, warum das Haus sprechen kann, wenn es nur zu Anfang und Ende des Films Text hat? Außerdem versprüht es keinen Charme. Es ist von außen schön anzusehen, aber im Innern viel zu steril; kein Dachboden zum Stöbern oder geheimnisvolle Ecken. Es geht weiter mit billigen Spezialeffekten, die sich in selbsttätig öffnenden Fensterläden und Türen, sprechenden Haushaltsgeräten, rutschenden Teppichböden oder spritzenden Wasserhähnen erschöpfen. Selbst bei den Kostümen wurde gespart, so trägt Maries Mutter ständig ihre Stewardessen-Uniform. Auch die Besetzung ist eigenartig. Die Erwachsenen sprechen Hochdeutsch, während die Kinder unüberhörbar einen österreichischen Dialekt sprechen. Für einen Kinder-Film spricht das Mädchen Marie zudem zu viel in Gedanken, was eher einer klassischen Detektivstory gerecht wird.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %


Land: ÖsterreichSchweiz
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 87
Genre: FamilieKomödie
Verleih: MFA
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 30.06.2005
Heimkino: 17.11.2005

Regie: Peter Payer
Drehbuch: Milan Dor
Literaturvorlage: Christine Nöstlinger

Schauspieler: Cornelia Froboess (Großmutter) • Nina Petri (Maries Mutter) • Lars Rudolph (Maries Vater) • Branko Samarovski (Onkel Albert) • Richard Skala (Konrad) • Elias Pressler (Stefan) • Michou Friesz (Tante Rolli) • Nina Hagen (Stimme des Hauses) • Heinrich Herki (Gerichtsdiener) • Maria Hofstätter (Spekulantin) • Bernhard Jobst (Otto) • Hannah Tiefengraber (Maria)

Produktion: Katja Dor • Katja Dor-Helmer • Brigitte Hofer • Erich Lackner • Fiona Meisel • Cornelia Seitler
Szenenbild: Christoph Kanter
Kostümbild: Anita Stoisits
Maskenbild: Michaela Oppl
Kamera: Thomas Hardmeier
Musik: Balz Bachmann
Schnitt: Britta Nahler


Bild: MFA

1 customer review

ausreichend
30.06.05
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