Weathering With You

Kinoplakat Weathering With You

Bei Liebe wird gerne von Größe oder Tiefe gesprochen. Makoto Shinkai geht in seinem Anime so weit, der ersten großen Liebe magische Kräfte zu bescheinigen. Und die färben sogar auf den Zuschauer ab.

Hodaka hätte einen besseren Termin für seine Reise nach Tokio abpassen können. Er erlebt die Stadt während einer Schlecht-Wetter-Periode mit Dauerregen. Der Einstieg ins Großstadtleben ist nicht nur wegen der Witterung schwierig. Niemand will ihm ohne Studentenausweis Arbeit geben und das Leben ist teuer. Nur der Herausgeber eines eigenartigen Fantasy-Magazins stellt Hodaka als Laufburschen ein. Damit ist der Anfang gemacht. Der Teenager hat zwar alle Hände voll zu tun, aber ein Dach über dem Kopf und ein festes Einkommen.

Eines Tages trifft er Hina, die freundlich auf ihn reagiert. Das zweite Zusammentreffen verläuft holperig und nach anfänglichen Missverständnissen kommen die Heranwachsenden einander etwas näher. Hina ist älter als Hodaka und erzieht ihren kleinen Bruder. Sie ist davon überzeugt ein Sonnenmädchen zu sein. Das bedeutet Hina besitzt die Gabe für gutes Wetter beten zu können. Doch die innige Verbindung zum Himmel hat einen Preis.

Kritik

Der Anime "Weathering With You" erzählt die Geschichte einer Liebe, gemischt mit Götter- und Aberglauben. Im Kern ist das Aufwallen großer Gefühle, die so weit gehen, dass man sicher ist die Welt verändern zu können. Dies versinnbildlicht der Film, indem die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verwischen. Hinas Verbindung zum Himmel ist ausgesprochen stark und trifft auf die Idee, dass der Himmel ein eigenes Universum ist.
Eingeflochten in den Haupt-Handlungsstrang sind kleine Geschichten über Menschen in der Großstadt. Die blühen förmlich auf, wenn die Sonne endlich wieder scheint. Und es ist eine Erzählung über Götterglaube. Von den Verstorbenen und Traditionen ist die Rede – in einer milden Dosis, die auch Europäer gut verdauen können.

Am Stil sticht zunächst das Szenenbild in Pastellfarben ins Auge. Tokio ist in trübe Farben getaucht und bildet den Kontrast zu bunten Blumen und grünen Wiesen. Die Figuren sind auffällig langgezogen und staksen auf dünnen Beinen. Die Animation des Gehens hakelt leicht – was dem Film Charme verleiht. Wenn Hodaka mit typischen Problemen der Pubertät kämpft, dann bricht ihm der Schweiß in dicken Perlen aus.

Die Chance ein Plädoyer für Umweltschutz zu sein, nutzt der Film nicht. Der Regen überflutet Tokio und die Stadt nimmt dadurch wieder ihre ursprüngliche Gestalt an. Diese Aussage zu einzuordnen fällt schwer. Vielleicht ist sie bei mehrmaligem Sehen des Films verständlich. Beim erstmaligen Sehen verwundert sie.

Fazit
Der Anime "Weathering With You" setzt das Erleben der ersten Liebe als Abenteuer um. Technisch auf gutem Fernseh-Niveau überzeugt der Film inhaltlich.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Alternativtitel: Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte • Teniki No Ko
Land: Japan
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 113
Genre: AnimationDramaFantasyRomantik
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 16.01.2020

Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai

Produktion: Kôichirô Itô • Noritaka Kawaguchi • Genki Kawamura
Szenenbild: Hiroshi Takiguchi
Kamera: Ryôsuke Tsuda
Musik: Radwimps
Schnitt: Makoto Shinkai


Bild: Universum Film

1 customer review

gut
14.01.20
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.