Der Fall Collini

Kinoplakat Der Fall Collini

Für den jungen Anwalt Caspar Leinen ist es eine Bewährungsprobe: Er wird zum ersten Mal als Pflichtverteidiger berufen und soll vor Gericht einen Mörder verteidigen. Der Glückstreffer gerät alsbald zum Albtraum weil Leinen erfährt, wer das Mordopfer ist.

Hans Meyer war der spendable Besitzer einer großen Fabrik und für Caspar wie ein Großvater. Wenngleich Caspar kein Kind der Familie Meyer ist, wurde er von Hans quasi adoptiert und wie ein Familienmitglied großgezogen. Seine ehemalige Jugendliebe Johanna Meyer ist der Meinung, dass Caspar befangen sein muss und die Verteidigung abgeben. Trotz der Zwickmühe beschließt er den Fall vor Gericht zu vertreten, denn er will wissen, warum Hans Meyer von Fabrizio Collini kaltblütig erschossen worden ist. Allerdings schweigt der Mörder und Caspar muss das Rätsel ohne Unterstützung lösen.

Kritik

"Der Fall Collini" beginnt als Familiendrama, in dem die Hauptfigur unter Zugzwang steht. Was wiegt schwerer: Der Beruf oder die Familie? Mit der Recherche deckt der junge Anwalt ein Geheimnis auf, was nicht nur die Familie erschüttert. Der von allen geschätzte großzügige Patriarch hatte eine schmutzige Vergangenheit. Worin die Verbindung zwischen einem Deutschen und einem Italiener besteht, bleibt lange ein Geheimnis. Obwohl man als Zuschauer relativ leicht erraten kann, worin es besteht.
Mit der Aufdeckung geht der Film ins Vergangenheits-Drama. Details verrate ich nicht, um die Spannung nicht zu verderben. Während Elyas M'Barek in der Rolle des Caspar Leinen Hintergründe erforscht, kommt auch seine Verbindung zum Hause Meyer zur Sprache. Mit Fortschreiten des Falls steht dann neben dem Angeklagten auch das deutsche Rechtssystem vor Gericht und der Film wird zum Justiz-Drama.

Die Grundlage ist spannend und eine gute Ausgangslage für ein Drehbuch. Darum ist es schade, dass die Möglichkeiten nur teilweise genutzt werden. Das große Puzzlespiel sorgt für die nötige Spannung. Die Austarierung ist nicht ganz stimmig, so sind die Szenen in Italien überlang und ausgekostet.Nicht ganz rund ist die Zeichnung der Figuren. Heiner Lauterbach spielt sehenswert den skrupellosen, zynischen Rechtsverdreher, der einst Leinens Professor war und nun sein Gegenspieler vor Gericht ist. Auch Elyas M'Barek tritt als leicht schnöseliger Junganwalt akzeptabel auf. Das Problem der Figur liegt weniger in seinem Schauspiel, als vielmehr in der Inszenierung. Wahrscheinlich um den Publikums-Geschmack zu treffen, ist Caspar Leinen türkischer Abstammung und trainiert im Boxclub. So als wäre er in einem schäbigen Viertel Berlins aufgewachsen. Wie das zu einem Mann passt, der seine Kindheit zumindest teilweise in einer Villa nebst Bediensteten verbrachte, erklärt die Handlung nicht. Die hat leider auch wenig Interesse daran, die Konflikte der Jetztzeit auszubauen. So deutet die Handlung an, dass Johannas erneute Annäherung an Caspar nicht aus Liebe, sondern aus Berechnung geschieht, weil sie ihn von dem Fall abbringen will. Auch Caspars Bedrängnis kommt zu wenig zur Sprache. Hier verschenkt das Drehbuch Konfliktstoff. Das fängt die häufige Filmmusik zum Teil auf, indem sie viele Szenen gewitterschwer werden lässt.

Fazit
"Der Fall Collini" ist ein emotionaler Publikumsfilm und eine Bewährungsprobe für Elyas M'Barek, der sich tapfer schlägt, ohne im Charakterfach angekommen zu sein. Was selbstverständlich noch werden kann. Das volle Potenzial schöpft der Film nicht aus, die Darsteller sind gut geführt. Für Fans von Gerichtsdramen empfehlenswert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 122
Genre: DramaGerichtsfilmKrimi
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 18.04.2019
Heimkino: 02.10.2019

Regie: Marco Kreuzpaintner
Drehbuch: Robert Gold • Jens-Frederik Otto • Christian Zübert
Literaturvorlage: Ferdinand von Schirach

Schauspieler: Elyas M'Barek (Caspar Leinen) • Alexandra Maria Lara (Johanna) • Franco Nero (Fabrizio Collini) • Jannis Niewöhner (Hans Meyer, jung) • Heiner Lauterbach (Richard Mattinger) • Hannes Wegener (Aicke) • Stefano Cassetti (Nicola Collini) • Manfred Zapatka (Hans Meyer) • Max Wagner (SS-Offizier) • Alessio Nicolai (Geisel) • Alessandro Baccini (SS-Offizier) • Axel Moustache (Alberto Lucchesi)

Produktion: Marcel Hartges • Martin Moszkowicz • Christoph Müller • Kerstin Schmidbauer
Szenenbild: Josef Sanktjohanser
Kostümbild: Gioia Raspé • Manfred Schneider
Maskenbild: Christina Baier
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Ton: Dirk Schäfer
Musik: Ben Lukas Boysen
Schnitt: Johannes Hubrich


Bild: Constantin Film

1 customer review

gut
18.04.19
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