Der Goldene Handschuh

Kinoplakat Der Goldene Handschuh

1970 ermordete in Hamburg der Hilfsarbeiter Fritz Honka eine Prostituierte. Er trennte ihren Kopf mit einer Säge ab und warf diesen mitsamt anderer Körperteile weg. Den Rest des Körpers verstaute er in seiner Wohnung. Vier Jahre später beging Honka den nächsten Mord.

Auch diese Leiche zerstückelte er und deponierte die Leichenteile in seiner Wohnung. Die Opfer waren verwahrloste Frauen. Honka lernte sie in einer Spelunke kennen. Im Film beschwert sich der griechische Nachbar über den Gestank aus Honkas Wohnung. Den Hausmeister oder die Polizei benachrichtigt er nicht. Ermittlungen der Polizei kommen im Film nicht vor. Erst durch einen dummen Zufall fliegt Honka auf.

Kritik

Fatih Akin stellt den Fall des Serienmörders in seinem Film dar, belässt es bei der Darstellung des Geschehens und setzt auf den Zoo-Effekt. Er bietet keine Milieustudie, sondern ein Auskosten des Milieus und dessen Menschen. Der goldene Handschuh ist eine Absteige, in der auch diejenigen Alkohol ausgeschenkt bekommen, die woanders nicht bedient werden. Hier versammelt der Film eine kleine Schar gebrochener Menschen, die stets nur dummes Zeug reden. Das ist charakteristisch für den Film und seine bruchstückhaften Dialoge.

Honkas Opfer sind Frauen, die nichts mehr zu verlieren haben. Sie sind bereit mit ihm mitzugehen in Aussicht auf ein Dach über dem Kopf oder eine Flasche Schnaps. Die Handlung stellt sie und den Täter bewusst abstoßend dar. Die Zurschaustellung der (toten) Körper der übergewichtigen Frauen ist überzogen unästhetisch. Fritz Honka lässt abwechselnd an Quasimodo oder ein Tier denken. Diese Überspitzung wirft ein Problem auf. Die Handlung beginnt mit dem Zersägen des ersten Opfers. Wie also das Ekelhafte steigern? Etwa indem der Mörder eine der Frauen, die mit der er vorübergehend zusammenlebt, als so hässlich empfindet, dass er mit ihr keinen Oralverkehr haben kann. Später wendet er Gewalt an und einer der vier Morde wird ausgekostet dargestellt.

Ein anderes Problem des Films ist, dass der Inhalt rasch abgearbeitet ist und von Wiederholungen lebt. Das Geschehen findet an wenigen Spielorten statt. Woraus kein Kammerspiel entsteht. Und die eingesetzten Stilmittel wie Rauchen, Saufen und Sex nutzen schnell ab.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Entscheidung den Fall nicht zu hinterfragen. Es ist dem Film nicht daran gelegen die Hintergründe zu beleuchten oder in die Psyche des Täters abzutauchen. Honkas Hass auf Frauen und seine Sucht nach Alkohol und Sex bleiben unbegründet. Warum das Gesicht des Mannes so entstellt ist, erklärt die Handlung auch nicht. Die Vorgeschichte spart der Film aus und eine Weiterentwicklung fehlt ebenfalls. Es treten feststehende Charaktere auf.

Das Auslassen von Erklärungen vereinfacht den Film und das Aussparen von Hintergründen macht ihn vordergründig. So erwähnen Honkas Besucher mehrfach den Leichengeruch. Honka schiebt die Schuld auf die Nachbarn, die seltsame Dinge kochen. Damit will die Handlung vielleicht begründen, warum niemand den Hausmeister oder die Polizei ruft.

Die Austarierung der Handlung ist nicht glücklich. Die griechischen Nachbarn treten auf, als käme ihnen eine tragende Rolle zu – die schließlich ausbleibt. Schlecht eingebunden ist die Liebelei zwischen den Teenagern. Petra dient Honka als alberne Sex-Fantasie. Ihr jugendlicher Verehrer könnte ohne Verlust aus dem Film herausfallen.

Die Schauspieler zeigen Mut. Jonas Dassler, der bei den Dreharbeiten mindestens 13 Jahre jünger war als die reale Person, spielt Fritz Honka stark stilisiert. Das ist interessant dargestellt – allerdings nicht ganz exakt, denn es variiert die Ausprägung der körperlichen Behinderung. Bandbreite kann der Schauspieler in seiner Rolle nicht zeigen. Die Frauen zeigen den Mut eine hässliche Rolle zu spielen. Der im Film gesprochene Dialekt ist leicht zu verstehen und hilft die Handlung am Handlungsort Hamburg zu verorten.

Fazit
Eine Geschichte im herkömmlichen Sinn erzählt "Der goldene Handschuh" nicht. Es ist jedoch auch kein Doku-Drama, sondern eine Freak Show. Nichts worüber ich mich aufregen kann, weil das Werk gegenstandslos ist.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 110
Genre: Krimi
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 18 Jahren

Kinostart: 21.02.2019
Heimkino: 22.08.2019

Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin
Literaturvorlage: Heinz Strunk

Schauspieler: Jonas Dassler (Fritz Honka) • Marc Hosemann (Siggi Honka) • Adam Bousdoukos (Lefteris) • Katja Studt (Helga Denningsen) • Margarete Tiesel (Gerda Voss) • Tristan Göbel (Willi) • Martina Eitner-Acheampong (Frida) • Victoria Trauttmansdorff (Gisela) • Hark Bohm (Dornkaat-Max) • Uwe Rohde (Herbert Nürnberg) • Jessica Kosmalla (Ruth) • Dirk Böhling (Soldaten-Nobert) • Lars Nagel (Nasen-Ernie) • Barbara Krabbe (Anna) • Tilla Krachtovil (Inge) • Simon Görts (Anus) • Peter Badstübner (Tampon-Günther) • Greta Sophie Schmidt (Petra Schulz) • Jessica Kosmalla (Ruth) • Martina Eitner-Acheampong (Frida)

Produktion: Nurhan Şekerci-Porst • Fatih Akin • Herman Weigel
Szenenbild: Tamo Kunz
Kostümbild: Katrin Aschendorf
Maskenbild: Maike Heinlein • Daniel Schröder • Lisa Edelmann
Kamera: Rainer Klausmann
Ton: Joern Martens
Musik: Fm Einheit
Schnitt: Andrew Bird • Franziska Schmidt-Kärner


Bild: Warner Bros.

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