Der Nussknacker und die vier Reiche

Kinoplakat Der Nussknacker und die vier Reiche

Zu Weihnachten stellt Disney 2018 nicht den großen Trickfilm vor, sondern einen Realfilm zum Thema Weihnachten. Der basiert auf der fantastischen Erzählung von E. T. A Hoffmann und verspricht viel.

Die Freude des Weihnachtsfestes wird bei Familie Stahlbaum überschattet vom Gefühl der Trauer. Die Kinder vermissen ihre Mutter und der Vater seine verstorbene Frau. Über den Schmerz täuschen die Geschenke kaum hinweg, die die Mutter vor ihrem Tod noch ausgesucht hat. Insbesondere Clara ist verärgert, weil zu ihrem Fabergé-Ei der Schlüssel fehlt. Den hofft sie auf dem Ball zu finden, zu dem die Familie am Abend aufbricht. Dort gehen alle Kinder auf die Suche nach Geschenken des Tüftlers Drosselmeyer (Morgan Freeman). Auch Clara (Mackenzie Foy) folgt einer Spur, die sie hinausführt in einen Zauberwald. Dort trifft sie eine vorwitzige Maus und bald darauf den Nussknacker (Jayden Fowora-Knight), der an einem Fluss wachesteht.

Gemeinsam gehen die Teenager auf die Suche nach dem Schlüssel für Claras Geschenk. Ihr Weg führt sie in ein Schloss, wo Clara weitere Bewohner des Reiches kennenlernt. Besonders freundlich ist die Zuckerfee (Keira Knightley), die ihr Herz ausschüttet. Es macht den Anschein, als wolle Mutter Ingwer die Macht über die vier Reiche des Landes an sich reißen. Und die Einzige, die das verhindern kann, ist Clara.

Kritik

Der Realfilm "Der Nussknacker und die vier Reiche" nutzt Motive der Geschichte des Schriftsteller E. T. A. Hoffmann und des Balletts von Tschaikowski. Daraus mischt Walt Disney eine Geschichte, die auf bekannte Stärken setzt. Der Teenager Clara ist eine Prinzessin. Sie hat technisches Verständnis und setzt dies gewinnbringend ein. Auch die Umsetzung des lebendigen Spielzeugs und der Mechanik gefällt. Viele Räderwerke spiegeln das mechanische Thema. Interessant fallen die Masken und Kostüme aus. Beispielsweise tritt Keira Knightley als Zuckerfee mit einer Frisur wie Zuckerwatte auf. Die Armee aus lebendigen Zinnsoldaten agiert leicht hakelig. Das Schloss mit seinen Zwiebeltürmen erinnert an russische Bauwerke.

Gelungen ist die Idee den Zuschauer in die Irre zu führen. So verwundert es eine Zeitlang, dass Mäuse eine böse Rolle spielen. Bei einem Film aus dem Hause Disney, den die Micky Maus bekannt machte erstaunt das sehr. Doch später kippt das Bild und die Mäuse sind auf der Seite der Guten. Gefallen kann auch die Idee, dass farbige Darsteller auftreten. Der schmucke Nussknacker etwa und die Ballerina (Misty Copeland). Verwunderung gibt es für die erstaunlich dunklen Szenen im Wald. Sie transportieren während Verfolgung und Kampf eine leicht bedrohliche Note; der verrottende Rummelplatz könnte einem Horrorfilm entliehen sein. In die neutrale Kategorie fällt, dass zu Beginn des Films Symbole auftauchen, die später eine Entsprechung erhalten wie etwa eine Tapete mit Mausmuster. Ansonsten leitet der Film gut durch das Thema, erklärt die Umstände.

Die Schauwerte bedient der Film gut. Doch es kommt der Moment, an dem ich innehalte und mich frage, worin die Geschichte des Films besteht? Sie ist bereits beim Sehen mager und im Nachhinein betrachtet zu wenig ausgebaut und ausgefeilt. Den Haupt-Handlungsstrang bildet die Suche nach dem Schlüssel, die Clara und der loyale Nussknacker gemeinsam bestreiten. Die mündet jedoch nur bedingt in eine Selbstfindung. Der kaukasischen Heranwachsenden und dem farbigen Nussknacker schenkt Disney keine Beziehung. Clara entdeckt trotzdem in einer Andeutung, dass sie zu einer Frau heranwächst, indem sie gegen Filmende mit ihrem Vater (Matthew Macfadyen) tanzt. Insgesamt sind die Charaktere oberflächlich gehalten. Trotz der Konzentration auf wenige Figuren bekommen nicht alle Raum oder sogar einen Ausbau.

Auf die psychologische Komponente kann man verzichten, wie auch auf eine werkgetreue Umsetzung der literarischen Vorlage. Auf eine packende Geschichte jedoch nicht. Und an der fehlt es. Die Handlung erweckt den Eindruck, als sei die Entwicklung des Drehbuchs an einer Stelle abgebrochen worden. Das Abenteuer im Zauberreich geschieht im Schnelldurchlauf. Der Plot ist beliebig und eine sorgfältige Ausarbeitung fehlt. Beispielsweise ist die Motivation des Bösen fragwürdig. Und es ergibt strenggenommen keinen Sinn, dass vier Reiche existieren, die an die vier Elemente erinnern.
Zudem fallen Unsauberkeiten auf. Für gewöhnlich sind Schlüssel und Schlüsselloch einander ähnlich. Das Schlüsselloch am Fabergé-Ei ist sternförmig, der Schlüssel jedoch nicht. Keira Knightley spricht in der englischen Fassung die meiste Zeit mit einer Zwitscherstimme. Dann kurzfristig in einer tiefen Stimmlage, als sie ihre wahre Natur preisgibt, und anschließend wieder mit der Piepsstimme. Einige ihrer Kommentare verwundern. Etwa die Bewunderung, die sie für die Armee aus Männern zum Ausdruck bringt.

Fazit
Der Film "Der Nussknacker und die vier Reiche" erinnert an "Alice im Wunderland, "Die Chroniken von Narnia", "Fantasia" und weitere Filme. Das ist kein Beinbruch und auch nicht die Schwäche des Films. Die liegt darin, dass die Produktion nur halbherzig umgesetzt ist, austauschbar bleibt und keine weihnachtlichen Gefühle erzeugt. Der 3D-Effekt kann nicht beurteilt werden, weil die Vorführung für die Presse in 2D stattfand.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: The Nutcracker and the Four Realms
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 99
Genre: 3DAbenteuerFamilieFantasyMärchenWeihnachten
Verleih: Walt Disney
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 01.11.2018
Heimkino: -

Regie: Lasse Hallström • Joe Johnston
Drehbuch: Ashleigh Powell • Tom McCarthy
Literaturvorlage: E. T. A. Hoffmann

Schauspieler: Keira Knightley (Zuckerfee) • Mackenzie Foy (Clara) • Morgan Freeman (Droßelmeier) • Matthew Macfadyen (Mr. Stahlbaum) • Helen Mirren (Mutter Ingwer) • Ellie Bamber (Louise) • Miranda Hart (Dew Drop Fairy) • Jack Whitehall (Harlequin) • Richard E. Grant (Shiver) • Eugenio Derbez (Hawthorn) • Sergei Polunin ) • Misty Copeland (Ballerina)

Produktion: Lindy Goldstein • Mark Gordon
Szenenbild: Guy Hendrix Dyas
Kostümbild: Jenny Beavan
Maskenbild: Jenny Shircore
Kamera: Linus Sandgren
Musik: James Newton Howard
Schnitt: Stuart Levy


Bild: Walt Disney

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