Merida

Kinoplakat Merida

Wenn Pixar einen neuen Animationsfilm ins Kino bringt, dann erwartet man automatisch etwas Spektakuläres oder Ungewöhnliches. Und im ersten Moment wirkt die Idee, die Geschichte eines menschlichen Wildfangs zu erzählen, auch vielversprechend. Doch so ungewöhnlich rote Haare in Irland sind, so ungewöhnlich ist auch dieser Film.

Prinzessin Merida ist ein Freigeist wie aus dem Bilderbuch. Der Enge im Schloss ihrer Eltern mit seinen höfischen Regeln und Traditionen zieht sie die Freiheit der schottischen Wildnis vor. Und als sie eines Tages, der Tradition entsprechend, den Prinzen eines der drei Clans heiraten soll, macht sie die Bewerber lächerlich und zieht den Zorn aller Versammelten auf sich. Merida flieht in den Wald und entdeckt das Haus einer Hexe. Der kauft sie einen Zaubertrank ab, obwohl die Hexe sie warnt, dass es in der Vergangenheit viele Beschwerden gab. Doch Merida glaubt daran, dass der Zaubertrank ihre Mutter umstimmen kann.

Gekauft getan verabreicht die Prinzessin der Königin den Trank - und die wird nicht innerlich, sondern äußerlich verwandelt - in eine Bärin. Gemeinsam fliehen Mutter und Tochter in die Wälder, um nach einer Lösung zu suchen. Diese Aufgabe erschweren mehrere Umstände. Die Königin kann als Bärin nicht sprechen, der König ist ein überzeugter Bärenhasser, weil ihm einst von einem Bären ein Bein abgebissen wurde und die Lösung muss innerhalb von 48 Stunden gefunden werden. Doch Merida wäre nicht Merida, könnte sie nicht auch diese Aufgabe meistern.

Kritik

Der Auftakt zum Film ist gelungen. Obwohl es ein Animationsfilm ist, entsprechen die Szenarien, die Kameraführung und die Schnitte einem Realfilm. Und auch die Figuren haben einen weiteren Entwicklungssprung gemacht. Etwas anderes war von Pixar auch nicht zu erwarten. Umso herber dann der Rückschritt hinsichtlich der Handlung. Statt einen weiteren Meilenstein zu präsentieren, setzt Pixar ganz auf Sicherheit. Das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verständlich, aber im Fall von Merida schon arg enttäuschend. Denn abgesehen von dem Umstand, dass die Prinzessin mit den flammend roten Haaren einen eigenen Kopf hat und ihn durchsetzt, ist der Rest der Handlung ähnlich spannend wie ein Bausparvertrag. Die Geschichte fußt auf der Legende vom Körpertausch, die Disney in "Bärenbrüder" erzählte, und Pixar fügt der Legende nicht viel Neues hinzu.

Somit steht die Frage im Raum, wen der Film ins Kino locken möchte? Gäbe es nicht den finsteren Kampf der Bären gegen Filmende, würde ich sagen, das Zielpublikum sind Kinder. Andererseits ist eine Prinzessinnen-Geschichte ein klassischer Mädchenstoff. Wobei Merida dem Klischee der tugendhaften Prinzessin widerspricht. Ob Erwachsene mit der sehr einfachen Handlung glücklich werden, möchte ich nicht beurteilen. Nur in einem Punkt bin ich mir sicher: Mir gefällt die Handlung nicht.
Und auch der Humor ist alt bewährt, um nicht zu sagen altbacken. Da gibt es Comicfiguren wie den kantigen, grobschlächtigen König mit Hakennase, dessen Körper eine einzige Karikatur ist. Und auch die Brautwerber sind derart überzeichnet, dass Merida gar nicht anders kann, als sie vorzuführen. Hinzu kommt viel gespielter Witz; etwa als Slapstick, für den drei kleine Brüder sorgen, beziehungsweise die Mutter nach der Verwandlung zur Bärin. Selbst der seit Jahren zum Glück nicht mehr gebrauchte Furzwitz erlebt ein Comeback.

Fazit
Schade. Da habe ich insgesamt mehr erwartet.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Brave
Alternativtitel: Merida - Legende der Highlands
Land: USA
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 90
Genre: 3DAbenteuerAnimationFamilieFantasyKomödie
Verleih: Walt Disney
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 02.08.2012

Regie: Mark Andrews • Brenda Chapman • Steve Purcell
Drehbuch: Brenda Chapman • Mark Andrews • Steve Purcell • Irene Mecchi

Sprecher: Nora Tschirner (Merida)

Produktion: Katherine Sarafian
Szenenbild: Steve Pilcher
Musik: Patrick Doyle
Schnitt: Nicholas C. Smith


Bild: Walt Disney

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