Night School

Kinoplakat Night School

Die Vorstellung noch einmal die Schulbank drücken zu müssen empfinden wahrscheinlich die meisten Erwachsenen als Albtraum. Für Teddy wird er wahr. Er verliert seine Arbeitsstelle als Verkäufer und muss seinen Schulabschluss nachholen, damit er eine neue Anstellung bekommt.

Um das Ganze komplizierter zu machen, besucht er die Schule, von der er vor Jahren ohne Abschluss abgegangen ist. Ein ehemaliger Mitschüler, den er damals blamiert hat, ist mittlerweile der Direktor und seine Lehrerin ist ein Reibeisen. Die anwesenden Mitschüler sind eine bunte Truppe und per Internet nimmt der Knastbruder Bobby am Unterricht teil. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, die an eine Gruppentherapie erinnert, geht es los. Die frustrierte Hausfrau, der paranoide Farbige, der enttäuschte Mexikaner, der gelangweilte Teenager und Teddy wollen den GED (General Educational Development Test) schaffen. Das verläuft nicht ohne jede Menge Reibereien und am Ende steht das Happy End.

Kritik

Erwachsene an die Schule oder auf den Campus zurückkehren zu lassen, ist eine feste Größe im Kino. Man denke an "Old School" oder "21 Jump Street". Aus "American Pie" hat der Film "Night School" den Witz mit den Schamhaaren abgeschaut ohne dabei so zotig zu werden wie das Vorbild. Auch mit Fäkalhumor bleibt der Zuschauer weitgehend verschont; vom Witz mit dem Methangas und dem Erbrechen abgesehen.

Der Fokus liegt klar auf Kevin Hart als unterbelichtetem Zappelphilipp. Die zweite Geige spielt Tiffany Haddish als resolute Lehrerin, die auch vor körperliche Züchtigung nicht Halt macht. Der Rest der Truppe wird leider vernachlässigt. Jeder Charakter bekommt einen Tick aber nur Teddy eine Entwicklung spendiert. Die Rolle des Knastbruders Bobby ist so klein und so wenig in die Handlung eingearbeitet, dass sie ersatzlos gestrichen werden könnte. Zumal sie den Eindruck macht, hauptsächlich deshalb vorzukommen, damit neue Medien eine Berücksichtigung finden.

Der Humor schwankt zwischen einfachen Sprüchen bis hin zu bösen Spitzen. So wird etwa Donald Trumps Motto "make America great again" durch den Kakao gezogen. Manche Missverständnisse sind nur halbwegs spaßig. Beispielsweise sagt Carrie, dass Teddy AHDS hat und er schreit panisch: AIDS? In einer weniger witzigen Szene versteht eine Schülerin das Wortspiel nicht, dass der große Mackenzie, der von Beruf Möbelpacker ist, den Spitznamen Big Mac trägt; also denselben Namen wie der Burger einer Fastfoodkette.

Die Charaktere sollen lustig sein, jedoch fehlt es ihnen an Ausformung und Möglichkeiten zur Darstellung. Theresa ist (sexuell) frustriert und für die Witze über Sex zuständig. Mila ist das frühreife Früchtchen und Jaylen der Paranoiker. Beide kommen kaum zu Wort. Abgesehen von den gesprochenen Witzen gibt es den gespielten Humor. Kevin Hart zieht jede Menge Grimassen und in einer der lustigen Einstellungen trägt er ein Hühnerkostüm während ihm seine Lehrerin den Hintern versohlt. Im Ergebnis fehlt es dem Humor an Ausarbeitung und er hat alle Einfälle gezeigt bevor der Film das Ende erreicht.

Um dem Humor ein Gegengewicht zu verleihen, gibt es in den meisten Komödien eine traurige Szene. "Night School" verzichtet darauf und ersetzt Trauer durch Moral. Die ist einfach gehalten: Man kann alles erreichen, wenn man sich nur ausreichend anstrengt. Das ist richtig und zu aufgesetzt und zu ausgewalzt. Ähnliches betrifft die Lauflänge von 111 Minuten. Leider ist es so, dass Handlung und Humor bereits vor dem vorhersehbaren Happy End abgearbeitet sind und der Film über einige Strecken kaum oder gar nicht lustig ist.

Fazit
Der Film "Night School" fällt insgesamt besser aus als erwartet. Ein Handlungsstrang erinnert an "Voll gepunktet". Das Drehbuch stammt von sechs Autoren und ist nur bedingt filmreif. Leider verschenkt es Potenzial, indem es die Rollen ungleich gewichtet und das Talent seiner Darsteller nur zum Teil ausschöpft. Der enge Fokus liegt auf Kevin Hart und Tiffany Haddish und macht den Eindruck, dass die restlichen Figuren zu wenig beitragen. Auch sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die eine Schule für Erwachsene bietet. Abgesehen vom Satz des Pythagoras, auf dem die Komödie herumreitet, habe ich an das Periodensystem der Elemente aus dem Chemie-Unterricht so meine Erinnerungen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 111
Genre: Komödie
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 15.11.2018
Heimkino: -

Regie: Malcolm D. Lee
Drehbuch: Kevin Hart • Harry Ratchford • Joey Wells • Matthew Kellard • Nicholas Stoller • John Hamburg

Schauspieler: Kevin Hart (Teddy Walker) • Tiffany Haddish (Carrie) • Keith David (Gerald) • Taran Killam (Stewart) • Anne Winters (Mila) • Megalyn Echikunwoke (Lisa) • Romany Malco (Jaylen) • Mary Lynn Rajskub (Theresa) • Ben Schwartz (Marvin) • Brooke Butler (Sprecherin) • Rob Riggle (Mackenzie) • Tilda Del Toro (Maria)

Produktion: Kevin Hart • William Packer
Szenenbild: Keith Brian Burns
Kostümbild: Sekinah Brown
Maskenbild: Dionne Wynn
Kamera: Greg Gardiner
Musik: David Newman
Schnitt: Paul Millspaugh


Bild: Universal Pictures International

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